4.5.2 Überlappende Notation in Ordnung bringen

Hier soll nun gezeigt werden, wie die Eigenschaften, die im vorigen Abschnitt vorgestellt wurden, bei der Problemlösung mit sich überschneidenden Notationselementen eingesetzt werden können.

padding (Fülleigenschafte)

Die padding-(Verschiebungs-)Eigenschaft kann benutzt werden, um den Abstand zwischen Symbolen zu vergößern (oder zu verkleinern), die über oder unter den Noten gesetzt werden.

c2\fermata
\override Script #'padding = #3
b2\fermata

[image of music]

% This will not work, see below
\override MetronomeMark #'padding = #3
\tempo 4 = 120
c1 |
% This works
\override Score.MetronomeMark #'padding = #3
\tempo 4 = 80
d1 |

[image of music]

Im zweiten Beispiel können Sie sehen, wie wichtig es ist den richtigen Kontext anzugeben. Weil das MetronomeMark-Objekt sich im Score-Kontext befindet, werden Eigenschaftsänderungen im Voice-Kontext einfach ignoriert. Für mehr Einzelheiten siehe Eigenschaften verändern.

Wenn die padding-Eigenschaft eines Objektes erhöht wird, das sich in einem Stapel von Objekten befindet, die nach ihrer Außersystempriorität (outside-staff-priority) positioniert werden, werden das Objekt und alle, die sich außerhalb davon befinden, entsprechend verschoben.

right-padding (Verschieben nach links)

Die right-padding-Eigenschaft wirkt sich auf den Abstand zwischen einem Versetzungszeichen und der Note, auf das sie sich bezieht, aus. Sie wird nicht sehr oft benötigt, aber die Standardanordnung kann für einige spezielle Versetzungszeichen-Glyphen oder Kombinationsglyphen, wie sie für Mikrotonale Musik benutzt werden, falsch sein. Derartige Glyphen müssen notiert werden, indem man den Stencil des Versetzungszeichens mit einer Textbeschriftung (Markup) ersetzt, wie im folgenden Beispiel:

sesquisharp = \markup { \sesquisharp }
 \relative c'' {
  c4
  % This prints a sesquisharp but the spacing is too small
  \once \override Accidental
    #'stencil = #ly:text-interface::print
  \once \override Accidental #'text = #sesquisharp
  cis4 c
  % This improves the spacing
  \once \override Score.AccidentalPlacement #'right-padding = #0.6
  \once \override Accidental
    #'stencil = #ly:text-interface::print
  \once \override Accidental #'text = #sesquisharp
  cis4
}

[image of music]

Dazu ist aber ein \override-Befehl für den Stencil des Versetzungszeichens nötig, der bisher nicht behandelt wurde. Der Typ des Stencils muss eine Prozedur sein, die hier geändert wurde, um den Inhalt der text-Eigenschaft des Accidental (Versetzungszeichen)-Objekts zu setzen. Die text-Eigenschaft wiederum wird als sesquisharp-Glyph definiert. Dieser Glyph wird dann weiter vom Notenkopf entfernt durch die Veränderung von right-padding mit einem \override-Befehl.

staff-padding (Systemfüllungseigenschaft)

staff-padding (Verschiebung zum Notensystem) kann verwendet werden um Objekte wie Dynamikzeichen an einer Grundlinie auf einer bestimmten Höhe über dem System auszurichten, sodass sie nicht von der Position der Note abhängen, an die sie angehängt sind. Diese Verschiebung ist keine Eigenschaft von DynamicText, sondern von DynamicLineSpanner. Das liegt daran, dass die Grundlinie sich gleicherweise auf alle Dynamikzeichen beziehen soll, also auch auf die, die als Strecker erstellt wurden. Hier also die Lösung, die Dynamikzeichen aus dem Beispiel des vorigen Abschnitts auszurichten:

\dynamicUp
% Extend width by 1 unit
\override DynamicText #'extra-spacing-width = #'(-0.5 . 0.5)
% Align dynamics to a base line 2 units above staff
\override DynamicLineSpanner #'staff-padding = #2
a4\f b\mf c\mp b\p

[image of music]

self-alignment-X (Selbstausrichtung-X-Eigenschaft)

Das nächste Beispiel zeigt, wie man den Zusammenstoß einer Fingersatzbezeichnung mit einem Notenhals verhindern kann, indem die rechte Ecke an dem Referenzpunkt der abhängigen Note angeordnet wird:

\voiceOne
< a\2 >
\once \override StringNumber #'self-alignment-X = #RIGHT
< a\2 >

[image of music]

staff-position (Position innerhalb des Systems)

Vieltaktpausen in einer Stimmen können mit Noten in anderen Stimmen kollidieren. Da diese Pausen zentriert zwischen den Taktlinien gesetzt werden, würde es für LilyPond eine recht große Anstrengung bedeuten herauszufinden, welche Noten mit ihnen zusammenstoßen könnten, denn alle Kollisionsvermeidung für Noten und Pausen funktioniert nur für Noten bzw. Pausen, die zur selben Zeit auftreten. Hier ein typisches Beispiel für eine Kollision dieser Art:

<< { c4 c c c } \\ { R1 } >>

[image of music]

Die beste Lösung ist es, die Ganztaktpause nach unten zu schieben, denn die Pause ist in der zweiten Stimme. Per Standardeinstellung für die zweite Stimme (\voiceTwo, also die zweite Stimme in der <<{...} \\ {...}>>-Konstruktion) wird die Position auf dem System (staff-position) auf -4 für MultiMeasureRest, in unserem Beispiel muss es also bspw. auf die Position -8 gesetzt werden, d.h. vier halbe Notenlinienabstände weiter nach unten:

<<
  { c4 c c c }
  \\
  \override MultiMeasureRest #'staff-position = #-8
  { R1 }
>>

[image of music]

Das ist besser, als etwa extra-offset zu benutzen, denn in unserem Fall wird die Hilfslinie der Pause automatisch gesetzt.

extra-offset (Genaues Positionieren)

Die extra-offset-Eigenschaft bietet vollständige Kontrolle über die Positionierung von Objekten in horizontaler und vertikaler Richtung.

Im Beispiel unten ist das zweite Fingersatzzeichen (Fingering) etwas nach links und 1,8 Notenlinienabstände nach unten verschoben:

\stemUp
f4-5
\once \override Fingering #'extra-offset = #'(-0.3 . -1.8)
f4-5

[image of music]

Ausrichtungseigenschaft

Die positions-Eigenschaft erlaubt die Kontrolle von Position und Steigung von Balken, Legato- und Phrasierungsbögen sowie Triolenklammern. Hier ein Beispiel, in der ein unschöner Phrasierungsbogen auftritt, weil er den Bogen des Vorschlags vermeidet:

r4  \acciaccatura e8\( d8 c~ c d c d\)

[image of music]

Man könnte einfach den Phrasierungsbogen oberhalb der Noten setzen, und das wäre auch die beste Lösung:

r4
\phrasingSlurUp
\acciaccatura e8\( d8 c~ c d c d\)

[image of music]

aber wenn es einen Grund geben sollte, warum das nicht geht, könnte man das linke Ende des Phrasierungsbogens etwas nach unten verschieben, indem man die positions-Eigenschaft einsetzt. Damit verschwindet auch die etwas unschöne Form:

r4
\once \override PhrasingSlur #'positions = #'(-4 . -3)
\acciaccatura e8\( d8 c~ c d c d\)

[image of music]

Hier noch ein weiteres Beispiel. Wie zu sehen ist, stößt der Balken mit den oberen Bögen zusammen:

{
  \time 4/2
  <<
    { c'1 ~ c'2. e'8 f' }
    \\
    { e''8 e'' e'' e''  e'' e'' e'' e''  f''2 g'' }
  >>
  <<
    { c'1 ~ c'2. e'8 f' }
    \\
    { e''8 e'' e'' e''  e'' e'' e'' e''  f''2 g'' }
  >>
}

[image of music]

Das kann manuell gelöst werden, indem beide Enden des Balkens von ihrer Position 1.81 Notenlinienabstände unter der Mittellinie hochgeschoben werden, etwa auf 1:

{
  \time 4/2
  <<
    { c'1 ~ c'2. e'8 f' }
    \\
    {
      \override Beam #'positions = #'(-1 . -1)
      e''8 e'' e'' e''  e'' e'' e'' e''  f''2 g''
    }
  >>
  <<
    { c'1 ~ c'2. e'8 f' }
    \\
    { e''8 e'' e'' e''  e'' e'' e'' e''  f''2 g'' }
  >>
}

[image of music]

Hier ist zu beobachten, dass die Veränderung sich auch auf den die erste Stimme des weiteren Taktes mit Achtelnoten auswirkt, während sie keine Auswirkung auf die Balken der zweiten Stimme hat.

force-hshift (vertikale Verschiebunseigenschaft)

An diesem Punkt können wir den letzten Feinschliff an unserem Chopin-Beispiel vornehmen, das wir behandelt haben in Ich höre Stimmen. Wir hatten es in folgende Form gebracht:

\new Staff \relative c'' {
  \key aes \major
  <<
    { c2 aes4. bes8 }
    \\
    { <ees, c>2 des }
    \\
    \\
    { aes'2 f4 fes }
  >> |
  <c ees aes c>1 |
}

[image of music]

Die inneren Noten des ersten Akkordes (also das As in der vierten Stimme) müssen nicht mit shift verschoben aus der Noten-Kolumne der höheren Stimme verschoben werden. Um das zu korrigieren, setzen wir den Wert von force-hshift, einer Eigenschaft von NoteColumn, auf Null.

Im zweiten Akkord wollen wir, dass das F sich am A orientiert und die tiefste Note leicht nach rechts verschoben wird, damit ein Zusammenstoß der Hälse vermieden wird. Das erreicht man mit force-hshift in NoteColumn des unteren Des, um es nach rechts um einen halben Notenlinienzwischenraum zu verschieben.

Hier das Endergebnis:

\new Staff \relative c'' {
  \key aes \major
  <<
    { c2 aes4. bes8 }
    \\
    {
      <ees, c>2
      \once \override NoteColumn #'force-hshift = #0.5
      des2
    }
    \\
    \\
    {
      \override NoteColumn #'force-hshift = #0
      aes'2 f4 fes
    }
  >> |
  <c ees aes c>1 |
}

[image of music]


Andere Sprachen: English, česky, español, français, italiano, 日本語, nederlands.
About automatic language selection.

LilyPond – Learning Manual