3.1.2 Score ist ein (einziger) zusammengesetzter musikalischer Ausdruck

Im vorigen Kapitel, Einführung in die Dateistruktur von LilyPond, wurde die allgemeine Struktur einer LilyPond-Quelldatei beschrieben. Aber anscheinend haben wir die wichtigste Frage ausgelassen, nämlich wie man herausfindet, was nach dem \score geschrieben werden soll.

In Wirklichkeit ist das aber gar kein Geheimnis. Diese Zeile ist die Antwort:

Eine Partitur fängt immer mit \score an, gefolgt von einem einzelnen musikalischen Ausdruck.

Vielleicht wollen Sie noch einmal Musikalische Ausdrücke erklärt überfliegen. In diesem Kapitel wurde gezeigt, wie sich große musikalische Ausdrücke aus kleinen Teilen zusammensetzen. Noten können zu Akkorden verbunden werden usw. Jetzt gehen wir aber in die andere Richtung und betrachten, wie sich ein großer musikalischer Ausdruck zerlegen lässt. Zur Einfachheit soll nur ein Sänger und Klavier in unserem Beispiel eingesetzt werden. Wir brauchen keine Systemgruppe (StaffGroup), die einfach nur bewirkt, dass die Systeme mit einer Klammer zusammengefasst werden; sie wird also entfernt. Wir brauchen aber einen Sänger und ein Klavier.

\score {
  {
    <<
      \new Staff = "Sänger" <<
      >>
      \new PianoStaff = "Klavier" <<
      >>
    >>
  }
  \layout { }
}

Hier wurden die Systeme (Staff) benannt: „Sänger“ und „Klavier“. Das ist nicht direkt notwendig in diesem Fall, aber es ist gut, sich diese Schreibweise anzugewöhnen, damit man immer sofort erkennt, um welches System es sich handelt.

Zur Erinnerung: mit << und >> werden Noten gleichzeitig gesetzt. Dadurch werden Vokalstimme und Klaviersysteme übereinander ausgegeben. Die << ... >>-Konstruktion ist für das Sänger-System nicht notwendig, wenn hier nur die Noten einer einzigen Stimme eingefügt werden sollen, aber << ... >> anstelle von geschwungenen Klammern sind notwendig, sobald mehr als eine Stimme oder etwa eine Notenstimme und Gesangstext eingefügt werden sollen. In unserem Fall soll eine Stimme mit Gesangstext notiert werden, sodass die spitzen Klammern benötigt werden. Die Noten sollen erst später hinzugefügt werden, hier also erstmal nur ein paar Platzhalternoten und Text. Wenn Sie sich nicht erinnern, wie man Gesangstext notiert, lesen Sie noch einmal \addlyrics in Einfache Lieder setzen.

\score {
  <<
    \new Staff = "Sänger" <<
      \new Voice = "Singstimme" { c'1 }
      \addlyrics { And }
    >>
    \new PianoStaff = "Klavier" <<
      \new Staff = "oben" { }
      \new Staff = "unten" { }
    >>
  >>
  \layout { }
}

[image of music]

Jetzt haben wir viel mehr Details. Wir haben ein System (engl. staff) für einen Sänger, in dem sich wieder eine Stimme (engl. voice) befindet. Voice bedeutet für LilyPond eine Stimme (sowohl gesungen als auch gespielt) und evtl. zusätzlich einen Text. Zusätzlich werden zwei Notensysteme für das Klavier mit dem Befehl \new PianoStaff gesetzt. PianoStaff bezeichnet die Piano-Umgebung (etwa durchgehende Taktstriche und die geschweifte Klammer am Anfang), in der dann wiederum zwei eigene Systeme ("oben" für die rechte Hand und "unten" für die linke) erstellt werden, auch wenn das untere System noch einen Bassschlüssel erhalten muss.

Jetzt könnte man in diese Umgebung Noten einfügen. Innerhalb der geschweiften Klammern neben \new Voice = "Singstimme" könnte man

\relative c'' {
  r4 d8\noBeam g, c4 r
}

schreiben. Aber wenn man seine Datei so direkt schreibt, wird der \score-Abschnitt sehr lang und es wird ziemlich schwer zu verstehen, wie alles zusammenhängt. Darum bietet es sich an, Bezeichner (oder Variablen) zu verwenden. Sie wurden zu Beginn des vorigen Abschnitts erklärt, erinnern Sie sich? Damit wir sicher gehen können, dass der Inhalt der text-Variable als Gesangstext interpretiert wird, wird ihm \lyricmode vorangesetzt. Wie \addlyrics wird hiermit in den Eingabemodus für Gesangstext gewechselt. Ohne diesen Befehl würde LilyPond versuchen, den Inhalt der Variable als Noten zu interpretieren und dabei eine Menge Fehler produzieren. (Einige andere Eingabemodi sind außerdem noch verfügbar, siehe Input modes.)

Also haben wir, wenn wir ein paar Noten und einen Bassschlüssel für die linke Hand hinzufügen, folgendes Beispiel:

melodie = \relative c'' { r4 d8\noBeam g, c4 r }
text    = \lyricmode { And God said, }
oben    = \relative c'' { <g d g,>2~ <g d g,> }
unten   = \relative c { b2 e }

\score {
  <<
    \new Staff = "Sänger" <<
      \new Voice = "Singstimme" { \melodie }
      \addlyrics { \text }
    >>
    \new PianoStaff = "Klavier" <<
      \new Staff = "oben" { \oben }
      \new Staff = "unten" {
        \clef "bass"
        \unten
      }
    >>
  >>
  \layout { }
}

[image of music]

Beim Schreiben (oder Lesen) einer \score-Umgebung sollte man langsam und sorgfältig vorgehen. Am besten fängt man mit dem größten Gebilde an und definiert dann die darin enthaltenen kleineren der Reihe nach. Es hilft auch, sehr genau mit den Einzügen zu sein, so dass jede Zeile, die der gleichen Ebene angehört, wirklich horizontal an der gleichen Stelle beginnt.

Siehe auch

Benutzerhandbuch: Struktur einer Partitur.


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LilyPond – Learning Manual