3.1.1 Einführung in die Dateistruktur von LilyPond

Ein grundlegendes Beispiel einer Eingabedatei für LilyPond lautet:

\version "2.17.97"

\header { }

\score {
  ...zusammengesetzter Musik-Ausdruck...  % Die gesamten Noten kommen hier hin!
  \layout { }
  \midi { }
}

Aufgrund der Flexibilität von LilyPond gibt es viele Variationen dieses Schemas, aber dieses Beispiel dient als einfacher Ausgangspunkt.

Bisher hat noch keines der Beispiele den \score{}-Befehl benutzt, da Lilypond derartige zusätzliche Befehle automatisch bei Bedarf einfügt, wenn die Eingabedatei eine einfache Struktur hat.

Sehen wir uns als ein solches einfaches Beispiel an:

\relative c'' {
  c4 a d c
}

Im Hintergrund kommen hier noch einige Ebenen dazu: LilyPond-Code in der obigen Form ist in Wirklichkeit eine Abkürzung. Auch wenn man so Dateien schreiben kann und sie auch korrekt gesetzt werden, heißt der vollständige Code, der hier gemeint ist, eigentlich:

\book {
  \score {
    \new Staff {
      \new Voice {
        \relative c'' {
          c4 a b c
        }
      }
    }
    \layout { }
  }
}

Mit anderen Worten: Wenn die Eingabedatei einen einfachen Musik-Ausdruck enthält, wird LilyPond die Datei so interpretieren, als ob dieser Ausdruck in den oben gezeigten Befehlen eingegeben wurde. Diese nötige Struktur wird automatisch im Speicher beim Aufruf von LilyPond erzeugt, ohne dass der Benutzer davon etwas bemerkt.

Ein Wort der Warnung ist jedoch angebracht! Viele der Beispiele in der Dokumentation von LilyPond lassen die \new Staff und \new Voice Befehle zur Erzeugung einer Notenzeile und einer Stimme (beides ist in LilyPond ein sogenannter Kontext) bewusst aus, damit sie implizit von LilyPond im Speicher erzeugt werden. Für einfache Dokumente funktioniert das im Allgemeinen sehr gut, für komplexere Partituren können dadurch aber unerwartete Ergebnisse entstehen, teilweise sogar unerwartete leere Notenzeilen. Um die entsprechenden Kontexte in diesem Fall explizit zu erzeugen, siehe Kontexte und Engraver.

Achtung: Wenn mehr als ein paar Zeilen an Musik eingegeben werden, empfiehlt es sich, die Notenzeilen und die Stimmen immer explizit mit new Staff und new Voice zu erzeugen.

Im Moment wollen wir aber zu unserem ersten Beispiel zurückkehren und nur den \score-Befehl näher betrachten.

Eine Partitur (\score) muss immer mit einem musikalischen Ausdruck beginnen. Das ist letztendlich alle Musik, angefangen bei einer einzelnen Note bis hin zu einer riesigen Partitur mit vielen Notensystemen (bezeichnet hier durch GrandStaff):

{
  \new GrandStaff <<
    ...hier die gesamte Partitur...
  >>
}

Da sich alles innerhalb der geschweiften Klammern { ... } befindet, wird es wie ein einziger musikalischer Ausdruck behandelt.

Ein \score auch andere Dinge enthalten, wie etwa

\score {
  { c'4 a b c' }
  \layout { }
  \midi { }
  \header { }
}

Wie man sieht, sind die drei Befehle \header, \layout und \midi von spezieller Natur: Im Gegensatz zu vielen Anderen Befehlen, die auch mit einem \ beginnen, liefern sie keinen Musikausdruck und sind auch nicht Teil eines musikalischen Ausdrucks. Daher können sie sowohl innerhalb eines \score-Blocks als auch außerhalb plaziert werden. Tatsächlich werden einige dieser Befehle meist außerhalb des \score-Blocksgesetzt, zum Beispiel findet sich der \header sehr oft oberhalb der \score-Umgebung. Das funktioniert genauso gut.

Zwei bisher noch nicht aufgetauchte Befehle sind \layout { } und \midi {}. Wenn sie in einer Datei vorkommen, führt dies dazu, dass Lilypond eine druckfähige PDF-Datei bzw. eine MIDI-Datei erzeugt. Genauer beschrieben werden sie im Benutzerhandbuch – Partiturlayout und MIDI-Dateien erstellen.

Ihr LilyPond Code kann auch mehrere \score-Blöcke enthalten. Jeder davon wird als eigenständige Partitur interpretiert, die allerdings alle in dieselbe Ausgabedatei plaziert werden. Ein \book-Befehl ist nicht explizit notwendig – er wird implizit erzeugt. Wenn jedoch für jeden \score-Block in einer einzigen ‘.ly’-Datei eine eigene Ausgabe-Datei erzeugt werden soll, dann muss jeder dieser Blöcke in einen eigenen \book-Block gesetzt werden: Jeder \book-Block erzeugt dann eine eigene Ausgabedatei.

Zusammenfassung:

Jeder \book-Block erzeugt eine eigene Ausgabedatei (z.B. eine PDF-Datei). Wenn Sie keinen derartigen Block explizit angegeben haben, setzt LilyPond den gesamten Dateiinhalt innerhalb eines einzigen impliziten \book-Blocks.

Jeder \score-Block beschreibt ein eigenständiges Musikstück innerhalb des \book-Blocks.

Jeder \layout-Block wirkt sich auf den \score- oder \book-Block aus, in dem er auftritt. So wirkt z.B. ein \layout-Block innerhalb eines \score-Blocks nur auf diesen einen Block und seinen gesamten Inhalt, ein \layout-Block außerhalb eines \score-Blocks (und daher innerhalb des implizit erzeugten oder explizit angegebenen \book-Blocks) jedoch auf alle \score-Blocks innerhalb dieses \book-Blocks.

Nähere Details finden sich im Abschnitt Mehrere Partituren in einem Buch.

Eine gute Möglichkeit zur Vereinfachung sind selbst definierte Variablen, wie auch gezeigt in Stücke durch Bezeichner organisieren. Alle Vorlagen verwenden diese Möglichkeit:

melodie = \relative c' {
  c4 a b c
}

\score {
  { \melodie }
}

Wenn LilyPond diese Datei analysiert, nimmt es den Inhalt von melodie (alles nach dem Gleichheitszeichen) und fügt ihn immer dann ein, wenn ein \melodie vorkommt. Die Namen sind frei wählbar, die Variable kann genauso gut melodie, GLOBAL, rechteHandKlavier, oder foofoobarbaz heißen. Als Variablenname kann fast jeder beliebige Name benutzt werden, allerdings dürfen nur Buchstaben vorkommen (also keine Zahlen, Unterstriche, Sonderzeichen, etc.) und er darf nicht wie ein LilyPond-Befehl lauten. Für mehr Information siehe Tipparbeit durch Variablen und Funktionen ersparen. Die genauen Einschränkungen sind beschrieben in Die Dateistruktur.

Siehe auch

Eine vollständige Definition des Eingabeformats findet sich in Die Dateistruktur.


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LilyPond – Learning Manual v2.17.97 (Entwicklungszweig).