1.5.1 Eine einzelne Stimme

Dieser Abschnitt behandelt gleichzeitige Noten innerhalb derselben Stimme.


Noten mit Akkorden

Ein Akkord wird notiert, indem die zu ihm gehörenden Tonhöhen zwischen spitze Klammern (< und >) gesetzt werden. Auf einen Akkord kann eine Dauer-Angabe folgen, genauso wie bei einfachen Noten.

<a c e>1 <a c e>2 <f a c e>4 <a c>8. <g c e>16

[image of music]

Akkorde können auch von Artikulationen gefolgt werden, genau wie auch einfache Noten.

<a c e>1\fermata <a c e>2-> <f a c e>4\prall <a c>8.^! <g c e>16-.

[image of music]

Die Noten innerhalb der Akkorde konnen auch von Artikulationen oder Ornamenten gefolgt werden.

<a c\prall e>1 <a-> c-^ e>2 <f-. a c-. e-.>4
<a-+ c-->8. <g\fermata c e\turn>16

[image of music]

Manche Notationselemente, wie etwa Dynamik, Crescendo-Klammern und Legatobögen müssen an den gesamten Akkord gehängt werden und nicht an einzelne Noten, damit sie ausgegeben werden.

<a\f c( e>1 <a c) e>\f <a\< c e>( <a\! c e>)
<a c e>\< <a c e> <a c e>\!

[image of music]

Ein Akkord ist sozusagen ein Container für die Noten, ihre Artikulationen und andere angehänge Elemente. Demzufolge hat also auch ein Akkord ohne wirkliche Noten innerhalb der Klammern keine Dauer. Alle angehängten Artikulationen geschehen zur selben musikalischen Zeit wie die folgende Note oder der folgende Akkord und werden damit kombiniert (für komplexere Möglichkeiten, derartige Elemente zu kombinieren, siehe Gleichzeitige Ausdrücke.

\grace { g8( a b }
<> ) \p \< -. -\markup \italic "sempre staccato"
\repeat unfold 4 { c4 e }  c1\f

[image of music]

Der relative Modus kann auch für Tonhöhen in Akkorden eingesetzt werden. Die erste Note eines Akkordes ist immer relativ zur ersten Note des vorherigen Akkordes, oder mit der Tonhöhe der letzten Note vor dem Akkord (wenn kein Akkord vorhergeht). Alle anderen Noten innerhalb des Akkordes sind relativ zu der Note vorher innerhalb des selben Akkordes.

<a c e>1 <f a c> <a c e> <f' a c> <b, e b,>

[image of music]

Mehr Information über Akkorden findet sich in Notation von Akkorden.

Siehe auch

Musikglossar: chord.

Handbuch zum Lernen: Noten zu Akkorden verbinden.

Notationsreferenz: Notation von Akkorden, Artikulationszeichen und Verzierungen, Relative Oktavenbezeichnung, Mehrere Stimmen.

Schnipsel: Simultaneous notes.

Bekannte Probleme und Warnungen

Akkorde, die mehr als zwei Tonhöhen für einen Notenlinenzwischenraum enthalten (wie etwa ‘<e f! fis!>’) produzieren überlappende Notenköpfe. Abhängig von der Situation kann eines der folgenden Dinge helfen, die Darstellung zu verbessern:


Akkord-Wiederholungen

Um Schreibarbeit zu ersparen, kann ein Zeichen benutzt werden, um den vorhergehenden Akkord zu wiederholen. Das Symbol hierzu ist q:

<a c e>1 q <f a c>2 q

[image of music]

Genauso wie normale Akkorde kann auch das Akkord-Wiederholungssymbol in Verbindung mit Tondauern, Artikulationen, Beschriftungen, Legatobögen, Balken usw. benutzt werden, weil nur die Tonhöhen des vorangehenden Akkordes wiederholgt werden.

<a c e>1\p^"text" q2\<( q8)[-! q8.]\! q16-1-2-3 q8\prall

[image of music]

Das Akkordwiederholungssymbol erinnert sich an das letzte Vorkommen eines Akkordes, sodass man den letzten Akkord wiederholen kann, auch wenn in der Zwischenzeit nicht-Akkord-Noten oder -Pause auftetreten sind.

<a c e>1 c'4 q2 r8 q8 |
q2 c, |

[image of music]

Das Akkord-Wiederholungssymbol behält keine Dynamikzeichen, Artikulationen oder Ornamente, die in oder an den vorhergehenden Akkord gehängt waren.

<a-. c\prall e>1\sfz c'4 q2 r8 q8 |
q2 c, |

[image of music]

Damit auch diese Zeichen erhalten bleiben, kann die Funktion \chordRepeats explizit mit einem zusätzlichen Argument aufgerufen werden, um eine Liste an Ereignistypen (engl. event) zu spezifizieren, die mit wiederholt werden, es sei denn, der gleiche Ereignistyp wird selber mit dem q verwendet:

\relative c'' {
  \chordRepeats #'(articulation-event)
  { <a-. c\prall e>1\sfz c'4 q2 r8 q8-. } |
  q2 c, |
}

[image of music]

Die Benutzung von \chordRepeats innerhalb einer \relative-Konstruktion führt zu unerwarteten Ergebnissen: Nachdem die Akkordereignisse einmal erweitert sind, können sie nicht mehr von normal eingegebenen Akkorden unterschieden werden. Dadurch fügt \relative einen Oktavsprung entsprechend des aktuellen Kontexts ein.

Weil geschachtelte \relative-Umgebungen sich nicht gegenseitig beeinflussen, kann man eine zusätzliche \relative-Umgebung innerhalb von \chordRepeats benutzen, um die Oktavbeziehungen darzustellen, bevor die wiederholten Akkorde eingesetzt werden. In diesem Fall beeinflusst der gesamte Inhalt der inneren \relative-Umgebung nicht die äußere. Daraus ergibt sich die unterschiedliche Oktave der letzten Note in diesem Beispiel:

\new Voice
\relative c'' {
  \chordRepeats #'(articulation-event)
  \relative c''
  { <a-. c\prall e>1\sfz c'4 q2 r8 q8-. } |
  q2 c |
}

[image of music]

Derartige Probleme mit \relative treten nur auf, wenn \chordRepeats explizit aufgerufen wird: die Verarbeitung von einfachem q wird erst vorgenommen, wenn alle \relative-Umgebungen schon verarbeitet sind.

Siehe auch

Notationsreferenz: Notation von Akkorden, Artikulationszeichen und Verzierungen.

Installierte Dateien: ‘ly/chord-repetition-init.ly’.


Gleichzeitige Ausdrücke

Eine oder mehrere musikalische Ausdrücke, die in doppelte spitze Klammern eingeschlossen werden, werden gleichzeitig gesetzt. Wenn der erste Ausdruck mit einer einzelnen Note beginnt oder die gesamte Konstruktion explizit in einer einzelnen Stimme erstellt wird, wird auch nur ein Notensystem erstellt. In anderem Falle werden die Elemente der simultanen Konstruktion auf unterschiedlichen Systemen gesetzt.

Das nächste Beispiel zeigt simultane Konstruktionen auf einem System:

\new Voice {  % explicit single voice
  << { a4 b g2 } { d4 g c,2 } >>
}

[image of music]

% single first note
a << { a4 b g } { d4 g c, } >>

[image of music]

Dass kann benutzt werden, wenn die simultanen Abschnitte einen identischen Rhythmus haben, aber wenn versucht wird, Noten mit unterschiedlicher Dauer an denselben Hals zu setzen, gibt es Fehlermeldungen. Noten, Artikulationen und Eigenschaftsänderungen in einer einzelnenVoice’ werden gesammelt und in musikalischer Reihenfolge gesetzt:

<a c>4-.  <>-. << c a >>  << { c-. <c a> } { a s-. } >>

[image of music]

Mehrfache Hälse oder Balken oder unterschiedliche Notendauern oder Eigenschaften zur selben musikalischen Zeit erfordern den Einsatz von mehreren Stimmen.

Das nächste Beispiel zeigt, wie ein simultaner Ausdruck implizit mehrere Systeme erstellt:

% no single first note
<< { a4 b g2 } { d4 g2 c,4 } >>

[image of music]

In diesem Fall stellt der unterschiedliche Rhythmus kein Problem dar, weil sie in unterschiedlichen Stimmen interpretiert werden.

Bekannte Probleme und Warnungen

Wenn Noten zweier oder mehrerer Stimmen mit Hälsen in die gleiche Richtung an der selben Position auf dem System gesetzt werden und keinen Versatz durch shift aufweisen (oder den gleichen Versatz besitzen), erscheint die Nachricht

Warnung: zu viele kollidierende Notenspalten werden ignoriert

während der Kompilation. Diese Nachricht kann unterdrückt werden durch

\override NoteColumn.ignore-collision = ##t

Das unterdrückt jedoch nicht nur die Warnungen, sondern schaltet auch die Auflösung von Zusammenstößen ab und kann also zu unbeabsichtigten Resultaten führen. (Siehe auch Auflösung von Zusammenstößen.)


Cluster

Ein Cluster zeigt an, dass alle Tonhöhen in einem Bereich gleichzeitig gespielt werden sollen. Cluster können gedeutet werden als eine Zusammenfassung einer ganzen Anzahl von Noten. Sie werden notiert, indem die Funktion \makeClusters auf eine Reihe von Akkorden angewendet wird:

\makeClusters { <g b>2 <c g'> }

[image of music]

Normale Noten und Cluster können zusammen im selben System notiert werden, sogar gleichzeitig. In solchen Fällen wird nicht versucht, automatisch Zusammenstöße zwischen normalen Noten und Clustern aufzulösen.

Siehe auch

Musikglossar: cluster.

Schnipsel: Simultaneous notes.

Referenz der Interna: ClusterSpanner, ClusterSpannerBeacon, Cluster_spanner_engraver.

Bekannte Probleme und Warnungen

Cluster sehen nur gut aus, wenn sie wenigstens über zwei Akkorde reichen – andernfalls sind sie zu schmal.

Cluster haben keine Hälse und können auch selber keine Dauern darstellen, aber die Länge des gesetzten Clusters wird erschlossen anhand der Dauern der definierten Akkorde. Voneinander getrennte Cluster brauchen eine unsichtbare Pause zwischen sich.

Cluster produzieren kein MIDI.


Andere Sprachen: English, español, français, italiano, 日本語.
About automatic language selection.

LilyPond – Notationsreferenz v2.17.97 (Entwicklungszweig).